China kritisieren, aber nach eigener Corona-App und Überwachung lechzen

Was mich am meisten bei „der“ Corona-App erstaunt, ist diese Scheinheiligkeit: China anprangern wegen Überwachung und dann genau diesem Umstand einfordern und technisch zentral implementieren, passt das zusammen?

Technisch ist die Corona-App beschränkt, was vor allem an der Bluetooth-Nutzung liegt und zudem wäre es sinnvoll, wenn ca. 60% der Bevölkerung dieselbe nutzen – zumindest wenn man einen ganzheitlichen „Schutz“ bieten möchte. Der Quellcode der deutschen App ist zwar offen, aber was passiert wenn die Menschen nun doch alle im Ausland Urlaub machen, wo andere Apps laufen, welche inkompatibel sind?
Also viele: „Vielleicht“, „ja in Teilen“ und „aber nur wenn“.

Wegen der pauschalisierten Überwachung und dem möglichen Zwang – der aber gesetzlich beschränkt werden soll – diese App zu nutzen, halte ich solche Entwicklungen sowohl für die Demokratie im Allgemeinen, aber vor allem auch für die Symbolkraft und Bereitschaft die solch eine Tracing-App in der Gesellschaft verankert für nicht erstrebenswert. Was passiert wenn in Zukunft weitere Datenbank miteinander abgeglichen würden? Ja ich weiß, die aktuelle App sammelt nicht entsprechende Infos, geschweige denn in passenden, personalisierten Formaten – dennoch, an solchen Super-Datenbanken wird auch auf EU-Ebene gearbeitet, z.B. „Shared Biometrics Matching System“ (SBMS).

Ganz ehrlich? Schreibt die 20-50 Millionen Euro Entwicklungskosten an T-Systems, SAP, Berater und Co. ab. Das Ding hilft weder unserer Gesundheit, noch unseren Freiheiten, geschweige denn unserer Psyche. In Teilen hat es sogar gegenteilige Effekte.

Der Chef der Gesellschaft für Informatik sorgt sich, dass die Bürger zu viel von der geplanten Corona-Warn-App erwarten und sich ans Tracking gewöhnen.

Quelle: Informatiker: Die Corona-App „ist wie ein trojanisches Pferd“
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